· 

Unser aggressiver Hovawart

Der aggressive Hovawart
Hovawart Welpe Aila

Unser aggressiver Hovawart

Wir leben in einem Dorf, also auf einem richtigen Dorf, dort wo jeder Jeden kennt, und wenn er ihn nicht kennt, dann kennt er wen, der den kennt, welchen man nicht kennt oder kennen möchte, dass kennt man ja.

Wir sind vor einigen Jahren hier zugezogen und hatten alle Ohren voll mit Arbeit und keine Kinder und keinen Hund, so dass sich das mit dem Kennen auf die engsten Nachbarn beschränkte.

Nun haben wir seit zwei Jahren einen Hund, nicht irgendeinen Hund – Nein einen HOVAWART, jetzt kennen wir mehr Leute, aber kennen ist zu viel gesagt, eigentlich kennen wir nur die Hunde. Und wenn mich meine Frau abends fragt, na, wen haste getroffen, dann heisst es „Wir haben Paula und Ihr Frauchen und Zorro und sein Herrchen getroffen“, Namen von Frauchen und Herrchen sind unbekannt, Fehlanzeige!

Nach zwei Jahren mit unserem Hovawart auf dem Dorf, wäre es mir auch lieber, einige Leute nie kennengelernt zu haben. Anstatt einer Freundschaft entwickelt sich heute ein heimtückischer Plan. Da sind die selbst ernannten Hundeversteher, dann die „BeiBellohabenwirdassogemacht“-Erzieher, die „IchweissallesBesser“, und ganz schlimm die „IchkennjemandendereinenHovawarthat!"-Typen.

Als Aila im zarten Alter von ca. 10 Wochen die ersten Ausflüge mit uns auf den Feldwegen ums Dorf machte, war sie der Star. „Och ist die süüüüüüß“, und „hat die grosse Pfoten“. „Was ein süßer Mischling und die blonden Flecken erst.... sagen sie nix..... ist ein Schäferhund Rottweiler Mix.“
„Ein HovaWAS?“..

So ging das Wochen und Monate, alle wollten uns nun beweisen, was sie für tolle Hundeeltern und Erzieher sind. Tipps gab es gratis.

Gerne mochte ich die Frau Boschel (Name vom Autor geändert, jedoch in der Hoffnung, dass Frau Boschel sich hier wiedererkennt), die mit ihrem Border Collie, der nie von der Leine durfte, da er immer abhaute, uns Tipps gab, wie wir unserer Aila den Rückruf beibringen.
„Komm ma nach Mutti....“.

Heute, knapp zwei Jahre später, erwacht bei unserer Aila das Pflichtbewusstsein, und sie findet auch nicht mehr alle Hunde toll. Und gespielt wird auch nur noch mit ihren Brüdern, alten Kumpels und Hunden, die es richtig derbe und schmutzig mögen. Gerne Muskelbepackte Kerle, die ein Goldkettchen tragen und von der Rute bis zur Stirn tätowiert sind, um dann 10 Minuten später so untergebuttert zu sein, dass sie alle Wünsche aus Aila’s Augen ablesen und unsere Hovawart Hexe für eine Göttin halten.

Eines Abends, es ist stockdunkel, kehre ich von der letzten „Mach endlich Pipi Runde“ nach Hause, da steht Frau Boschel mit ihrem Border Collie direkt vor unserer Haustür. Ich komme gut gelaunt mit Ihrer Majestät um die Ecke, als Aila den Border Collie mit Frau Boschel entdeckt. An ihrem Zaun!

Es wird jetzt nicht diskutiert und auch nicht lamentiert, es wird das Sachbuch „HOVAWART – Meine Aufgaben und Pflichten“ aus der Felltasche gezogen und unter M wie Meins nachgeschlagen.

Ohne Umschweife erklärt Aila dem Border und Frau Boschel, die sich nun an unserem Gartenzaun festhält, dass das völlig inakzeptabel ist, was sie da treiben und bitte den Vorgarten von ihrem Haus verlassen möchten.

Ich gebe an dieser Stelle gerne zu, dass Aila sich vielleicht etwas im Ton vergriffen hat, und ihre Gesichtsmimik nicht der eines freudestrahlenden Hundes entsprach.

Mit einem „Schluss“ nimmt Majestät Aila direkt neben mir Platz und lässt Herrchen nun in den Ring.

Frau Boschel ist ausser sich vor Wut, wie die süsse Aila von damals jetzt so ein Feuerwerk abbrennen kann. Ich erkläre ihr, dass sie sich in unserem Vorgarten befindet und Aila nur ihr Haus verteidigt.

Ich bitte Frau Boschel nun ganz schnell, unser Grundstück zu verlassen, bevor ich meine Beisshemmung verliere.

Wochen später erfahren wir von jemandem den wir kennen, der wiederum jemanden kennt der Frau Boschel um ein paar Ecken kennt, dass wir einen aggressiven Hovawart besitzen.

Hovawart – alles (andere) ist Hund

In diesem Sinne

 

Euer Alexander Laubenthal mit Aila vom Bonerthof

Blog Abo
Blog Abo
Kommentare: 4
  • #4

    Regine (Samstag, 25 August 2018 20:10)

    Ich freue mich immer wieder eine Geschichte vion Aila zu lesen.
    Man erkennt seinen Hovi immer wieder in den Geschichten.
    Vielen Dank dafür Alexander.

  • #3

    Andrea (Dienstag, 21 August 2018 19:52)

    ��

  • #2

    Alex (Dienstag, 21 August 2018 18:29)

    So köstlich! Wenn ich diese Geschichten lese, denke ich, könnten wir geschrieben haben.� Ich bin so froh, dass es noch andere Hovifamilien gibt. Man fühlt sich ja direkt verstanden. Schöne Geschichte, danke für die Mühe, alles aufzuschreiben und zu teilen.

  • #1

    Stefan S. (Dienstag, 21 August 2018 16:32)

    Genauso sind sie, nicht nur die Hovis, sonder auch die Nachbarn