Auf ein Wort... UND auch EINS mehr.

Von der Notvermittlung zum verstandenen Hund

DER hovawart


In letzter Zeit kommt es mir so vor, dass immer mehr Hovawarte wieder abgegeben werden, da lese ich ein 8 Monate alter Rüde würde schnappen, ein dreijähriger wäre nicht sozial, ein 12 Monate alte Hündin muss weg, weil ein zweites Baby kommt und der Hund sich nicht in die Familie integriert.

Da platzen mir die Schwellkörper am Hals.
Vielleicht sollte sich mal jeder von uns an die Nase packen, Hovihalter, Züchter und angehende Welpenkäufer.

In fast jeder Hovawart Lektüre steht.....“ist nicht unbedingt geeignet für Anfänger“, dies wird von vielen wohl wissentlich überlesen oder an Kaufwillige nicht weitergegeben.

Der Hovawart ist eine Wundertüte, ja er ist auch ein Familienhund, und was für ein treuer. Aber bis dahin ist es ein steiniger Weg. 
Hat man einmal eine Bindung zu diesem Energiebündel aufgebaut, dann erhält man alle Hundeliebe und Treue, wie sie nur ein Hovawart geben kann.

Es ist aber nicht damit getan, diesen sensiblen Hund mit in eine Familie zu bringen, ihn 2x am Tag auszuführen und einmal in der Woche auf den Hundeplatz zu gehen. Beschäftigt Euch ehrlich mit den Rasseeigenschaften.

Bindung aufbauen heisst, gemeinsames Vertrauen zu erlernen und zu erleben. Aber auch ganz ganz klare Grenzen aufzuzeigen. Der Hovawart ist ein sehr intelligenter Hund, er führt dich immer wieder an deine Grenzen und weit darüber hinaus. Er testet dich und dein Umfeld und das auch mit seiner Liebenswürdigkeit.

Der Hovi ist ein freiheitsliebendes Tier, er braucht neben der körperlichen Auslastung viel Kopfarbeit, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt.

Liebe Züchter, ich weiss, es gibt unter Euch diejenigen, die den Welpenkäufer darauf vorbereiten, aber auch diejenigen, die froh über jeden verkauften Hund sind. Du, lieber Hoviinteressent, solltest Dir mehrere Züchter anschauen, informiere Dich bei den Rasseverbänden und auf einschlägigen Foren. Frag, ob der Kontakt nach der Abholung Eures neuen Lieblings zu dem Züchter weiterbesteht.
Er sollte in den ersten Monaten immer Euer Ansprechpartner sein, wenn es um soziale Fragen, Futter, Krankheiten usw. geht.
Schaut Euch doch auch einmal den Samenspender an, vielleicht unternehmt Ihr im Vorfeld mal einen gemeinsamen Spaziergang und Du darfst das Kraftpaket einmal an der Leine führen, damit Du siehst, welche Power Du demnächst zu bändigen hast.

Dir, lieber Züchter, möchte ich ans Herz legen, vielleicht regelmäßige Treffen zu veranstalten, damit sich die neuen Hovibesitzer auch austauschen können. Nicht jeder Hovi ist gleich so eine Powermaus wie unsere es war, aber es ist sinnvoll, Informationen gemeinsam auszutauschen.

Natürlich gibt es unter den Hovis auch echte Langweiler, entweder sie kamen so zur Welt oder die neuen Besitzer haben ihn dazu gemacht.
Dies entspricht aber keinesfalls der Normalität.

Aber das Wichtigste ist, baut eine Bindung auf, werdet ein Team. Geht mit Spass und Freude an die gemeinsamen Lebensabschnitte ran. Freu Dich über die Wundertüte, lerne mit ihr ordentlich zu spielen, und damit meine ich nicht den Ball wegwerfen. Wenn Deine Knie durchgeschrubbt sind, Du Dich wie ein kleines Kind mit ihm auf dem Boden wälzt und Euch beiden ein Grinsen im Gesicht steht, dann bist Du auf dem besten Weg.

Wenn Deine Freunde von ihrer Kreuzfahrt im Mittelmeer erzählen und Du es nicht abwarten kannst, die Wolken und Dünen, die Kathedralen des Nordens zu sehen und zu spüren, es in den Füßen juckt, mit Deinem kraftvollen Hovi am Strand zu toben. 
Du wieder zu einem Firmenevent eingeladen bist, wo die kleinen Häppchen serviert werden, Du doch lieber zu Hause eine Bockwurst mit Deinem Hund teilen würdest. 
Deine Kumpels wild Silvester feiern und Du mit Deinem Hovi zu Hause auf dem Sofa liegst und Deine Hand auf seiner Brust ruht.
Wenn die Hovischnauze grau wird, die Augen langsam trübe und Du Dich abends zu ihm auf den Boden legst, weil seine alten Knochen nicht mehr aufs Sofa kommen und er Dir voller Dankbarkeit über Deine Hände leckt, und er Dir bei seinem letzten Atemzug tief in die Augen schaut, Du diese Trauer spürst und diesen wahnsinnigen Schmerz in der Brust, dann und nur dann weißt Du, ihr wart ein Team und Dein Freund ist gegangen, für immer.

Schaue Dir, bevor Dein neuer Freund kommt, mehrere Hundeschulen an, hörst Du Sprüche wie „oh ein Hovawart, das wird schwer“. Lass die Finger davon.
Suche Dir Trainer, die auch etwas von Kommunikation verstehen und damit meine ich nicht nur die Kommunikation zwischen Dir und Deinem Hund, sondern auch von der der Hunde untereinander, da wirst Du viel lernen.

Gib nicht auf, wenn es Probleme gibt, löse sie... .
Unsere Powermaus jagte immer Fahrrädern hinterher, ich habe mir dann die Wege gesucht mit den meisten Rädern. Und heute, wenn ein Rad von vorne kommt, kommt sie von alleine an meine Seite und schaut mich strahlend an „Na Herrchen, hab ich das gut gemacht“ und dann toben wir beide und rollen auch schon mal gemeinsam den Damm hinunter.

Sei ausdauernd, Probleme sollten sofort gelöst werden.
Hast Du nicht die Zeit für eine solche Krawalltüte oder wird sich Deine Lebenssituation demnächst ändern, dann lass es sein! Schaff Dir keinen Hund und schon gar keinen Hovawart an.
Dir, lieber Züchter sollte es auch gestattet sein, solche Fragen zu stellen. Du hast viel Zeit und Geld in Deine Zucht investiert, natürlich möchtest Du auch Geld damit verdienen, aber sollte nicht das Wohl des geschaffenen Lebewesens auch für Dich an erster Stelle stehen?

Der Hovawart ist eine bemerkenswerte Rasse, anhänglich, aber auch selbständig.

Wäre schön, wenn die Seiten der Notvermittlung und die Aufrufe der Züchter über zurückgegebene Hovis in Zukunft etwas leerer sind.

In diesem Sinne
HOVAWART – alles (andere) ist Hund

sagt
Alexander Laubenthal

Hovawart ein ernstes Wort als Download
Rudel um Aila

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